Blühende Polsterstauden in rauen Lagen – Impressionen einer Islandreise (Teil I)

von Beate (Kommentare: 0)

Es ist schon erstaunlich, wie viele blühende Wildstauden mit den rauen Lebensbedingungen in Island zurechtkommen. Vor allem im Süden des Landes habe ich an trockenen Standorten Stauden entdeckt, die sich auch in unseren Wild- und naturnahen Gärten heimisch fühlen.

Wie robust müssen Pflanzen sein, die so nah am Polarkreis mit Vulkanaktivitäten und Vegetationsperioden von maximal vier Monaten zurechtkommen. Von diesen „fair little friends“ wie sie der isländische Dichter Jónas Hallgrimsson nannte, sind mir viele auf meiner Islandtour begegnet.

Die meist mehrjährigen Blütenpflanzen haben sich an Kälte, Wind und Trockenheit meist durch Rosetten- und Polsterwuchs angepasst. Damit schaffen sie sich ein günstiges Mikroklima, das etwas milder als die Umgebung ist. Behaarte Stängel und Blätter, dicke Blatthäute oder winzige Blattflächen schützen die Pflanzen vor Feuchtigkeitsverlust und sind ein guter Wärmespeicher.

Violette Blütenteppiche des Arktischen Thymians

Einer dieser Überlebenskünstler ist der mehrjährige Arktische Thymian, der bei uns auch als Feldthymian oder Frühblühender Thymian (Thymus praecox) bekannt ist. In Island wächst der wilde Thymian als 5 cm flache Polsterstaude auf sandigen Böden, Schotterböden und trockenem Heideland. Die Staudengröße variiert je nach Lage von kleinen Polstern bis hin zu weitläufigen Polsterteppichen, deren Blätter und auch Blüten einen würzigen Duft verströmen. Der Arktische Thymian kann von Weitem leicht mit dem Stängellosen Leimkraut verwechselt werden. Doch sind seine Tuffs weniger kompakt. Die Blütezeit des Thymians liegt zwischen Juni und Juli. In dieser Zeit bedecken seine rotvioletten Blüten weite Flächen.

Auch bei uns benötigt Thymus praecox einen vollsonnigen Standort auf mageren, sandigen oder steinigen Boden. Bei mir wächst er am Rand eines alten Baumstumpfs. Er ist genügsam und benötigt keine Pflege. Frühblühender Thymian lässt sich gut zur Einfassung von Beeten, als Bodendecker im Beet, als Dachbegrünung, aber auch für die Bepflanzung von Kübeln einsetzen.

Weiße Silberwurz – hart im Nehmen

Die Weiße Silberwurz (Dryas octopetala) mit ihren weißen, strahlenförmig angeordneten Blütenblättern begegnete mir während meiner Reise immer wieder in den unwirklichsten Gegenden. Jede ihrer Blüten sitzt an einem rotbraunen Stiel. Ihre Zweige liegen eng am Boden. Die immergrüne Weiße Silberwurz bildet eine tief in die Erde reichende Hauptwurzel, von der die gesamte Pflanze lebt. Die Silberwurz wird nur etwa 10 cm hoch, kann dafür aber 100 Jahre alt werden.

Ihre ledrigen Blätter sind länglich, gekerbt und zurückgerollt. Obenauf dunkelgrün glänzend und auf der Unterseite filzig. Die Pflanzen lieben einen kalkhaltigen Untergrund und wachsen meist auf Flächen, die dem Wind ausgesetzt sind, wie kargen Heidegebieten oder Schotterflächen. Die Weiße Silberwurz vermehrt sich über Brutknöllchen. Darin keimen die jungen Pflanzen vor, um dann auf den Boden zu fallen.

Für den heimischen Kiesgarten ist die Garten-Silberwurz (Dryas suendermannii) eine hübsche Alternative zur Weißen Silberwurz. Die ebenfalls 10 cm hohe Pflanze entstand als Kreuzung in einer Alpenpflanzengärtnerei. Sie ist besonders starkwüchsig und bildet rasch teppichartige Matten. Im Mai und Juni öffnen sich die gelblichen Knospen dieser Silberwurz ebenfalls zu weißen anemonenähnlichen Blüten. Auch ihre fedrigen Samenstände sind sehr dekorativ. Die Garten-Silberwurz eignet sich bestens zur Dachbegrünung. Da sie kräftig wächst, sollte sie möglichst im Randbereich gesetzt werden, damit sie andere Pflanzen nicht verdrängt.

Alpen-Frauenmantel – klein aber fein

Der Alpen-Frauenmantel (Alchemilla alpina) ist mir in Island zum ersten Mal begegnet. Er unterscheidet sich optisch stark von dem bei uns verbreiteten Frauenmantel (Alchemilla vulgaris). Auf Steinflächen in vollsonniger Lage habe ich den Bodendecker mit seinem hübschen Laub entdeckt.

Die etwa 15 cm hohe, buschig wachsende Staude bildet mehrfach gefingerte Blätter. Die Blattabschnitte sind schmal, oval und laufen spitz zu. Die Blätter des Alpen-Frauenmantels sind auf der Oberseite dunkelgrün und glänzend und auf der Unterseite silbrig behaart. Dieser Behaarung verdankt die Pflanze auch ihren zweiten Namen „Silbermantelkraut“. Von April bis Juni zeigen sich an dünnen Stängeln gelb-grüne unscheinbare Blüten.

Die Pflanze vermehrt sich über Ausläufer. Bei uns passt der Alpen-Frauenmantel nicht nur in den Kiesgarten, auch zur Unterpflanzung von Gehölzrändern ist er gut geeignet. In Kombination mit Federnelken und niedrigen Gräsern kommt die Staude sehr schön zur Geltung.

Ein aufgeblasenes Leimkraut – das Taubenkropf-Leimkraut

Das Taubenkropf-Leimkraut oder Aufgeblasene Leimkraut (Silene vulgaris) kommt auf flachen, trockenen Böden vor. Deshalb habe ich die Pflanze auch häufig im Hochland gesichtet. Sie ist eine der ersten Blütenpflanzen, die junge Lavafelder besiedeln und gehört mit ihren über 1 m tiefen Wurzeln, wie die Weiße Silberwurz, zu den Pionierpflanzen Islands. Also Pflanzenarten, die vermehrt in neu geschaffenen Lebensräumen auftreten. In älteren Lebensräumen werden sie später von anspruchsvolleren Pflanzen verdrängt.

Auffällig sind die dicken, nickenden Kelche, die dem Aufgeblasenen-Leimkraut als Windfang dienen. Ich finde es erstaunlich, wie die Blütenblätter der Pflanze am Tag ihren Turgordruck (Druck, den der Zellsaft auf die Zellwand ausübt) verlieren können, dann erschlaffen und am Abend wieder ihre ursprüngliche Form annehmen. Die Blüten verströmen einen nelkenartigen Duft. Bei uns wächst das Aufgeblasene-Leimkraut vor allem in Böschungen, Wiesen und an Wegrändern und ist im Wildgarten eine wichtige Futterquelle für Nachtfalter.

Auf vollsonnigen Freiflächen und an Gehölzrändern mit trockenem Boden fühlt sich das Aufgeblasene-Leimkraut im naturnahen Garten wohl. Bei uns erreicht es eine Höhe von etwa 30 cm. An den becherförmigen weißen Blüten hast Du lange Freude, denn sie zeigen sich von Mai bis September.

Grasnelken – ausdauernde Blüher

Insbesondere im Südwesten Islands auf sonnigen Frei- bzw. Steinflächen fielen mir die grasartigen Polster der Grasnelken (Armeria maritima) mit ihren blass rosa Blütenbällen immer wieder auf. Sie vertragen als Küstenbewohner sehr gut durchlässige, nährstoffarme sowie salzhaltige Böden und bevorzugen vollsonnige Lagen.
Grasnelken besitzen feines, dunkelgrünes Laub, das leicht behaart ist. So schützt es die Pflanze vor Verdunstung. Die kleinen halbkugeligen Horste passen äußerst gut in die Ritzen von Trockenmauern oder zwischen Trittplatten.

Die wintergrünen Polster können bis zu 20 cm hoch werden. Ihre halbkugelförmigen Blütenköpfe, die an langen Stielen sitzen, stehen zu mehreren zusammen. Bei uns liegt die Blütezeit der Grasnelken zwischen Mai und November.

Die Grasnelke „Düsseldorfer Stolz“ hat sich bei mir ohne jede Pflege an einem alten, morschen Baumstumpf recht gut entwickelt. Grasnelken wirken dekorativ als Einfassung von Beeten. Sie kommen natürlich ebenso zur Bepflanzung von Kiesbeeten und von Trögen zum Einsatz. Besonders in Kiesbeeten lassen sich Grasnelken gut mit Strand-Platterbsen und Berg-Astern kombinieren. Außerdem besuchen viele Insekten gerne ihre üppigen Blüten-Polster.

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