Gehölzschnitt leicht gemacht

von Beate (Kommentare: 0)

Der Spätwinter ist ein guter Zeitpunkt für den Schnitt vieler Gehölze. Der richtige Pflanzenschnitt sorgt nicht nur für wohl geformte, gesunde Pflanzen, sondern auch für eine reiche Blüte und viele Früchte.

Es gehört schon etwas Mut dazu, seine Gehölze einem Rückschnitt zu unterziehen. Doch mit ihm werden nicht nur beschädigte und abgestorbene Pflanzenteile entfernt. Der Schnitt sorgt für eine gute Entwicklung der Pflanzen und hält sie vital. Die Bildung neuer Triebe wird gefördert und der Strauch vor Überalterung geschützt.

Doch Ausnahmen bestätigen die Regel, denn es gibt Gehölze, die auf keinen Fall geschnitten werden sollten. Dazu zählen Zaubernuss, Goldregen, Magnolie und Japanischer Ahorn. Auch viele Nadelgehölze vertragen keinen Rückschnitt, da sie danach nicht regenerieren oder ihre arttypische Form als Solitärsträucher für immer verlieren.

Für den Pflanzenschnitt sind drei Dinge entscheidend: Die Wahl des richtigen Werkzeugs, der optimale Schnittzeitpunkt und der Zweck des Schnitts. So hat ein starker Rückschnitt einen kräftigen Austrieb zur Folge, da die Pflanze ihre gesamte Kraft in die wenigen verbliebenen Knospen steckt. Entsprechend wenig stark ist der Austrieb auf einen schwachen Rückschnitt. Der Zeitraum für einen intensiven Gehölzschnitt ist im Bundesnaturschutzgesetz geregelt. Danach dürfen Gehölze nur von Oktober bis Februar kräftig geschnitten werden. Für die Fällung oder Kappung von Gehölzen werden daneben noch Genehmigungen von den lokalen Behörden benötigt.

Werkzeuge für einen sauberen Schnitt

Die wichtigsten Schneidewerkzeuge für einen einwandfreien Schnitt sind die Scheren. Mit der Backenschere lassen sich die Zweige glatt und direkt am Astring schneiden. Bei der Ambossschere trifft dagegen die Ambossklinge auf einen Metallblock, so dass kein glatter Schnitt am Ansatz möglich ist und die Rinde leicht gequetscht wird.

Vor dem Kauf solltest Du unbedingt testen, ob die von Dir ausgewählte Schere auch gut in der Hand liegt. Um Kraft zu sparen, sind Scheren mit Rollgriff oder einer Übersetzung zu empfehlen. Für dickere Äste und Gehölze mit Dornen oder Stacheln eignen sich Astscheren mit langem Holm (starke Hebelwirkung). Ich habe mich für ein recht leichtes Exemplar entschieden, da ich mit ihr oft über Kopf schneiden muss. Zum Schneiden sehr dicker Äste setze ich eine kleine Säge mit einem dünnen, aber stabilen Blatt ein. Weitere wichtige Hilfsmittel sind feste Lederhandschuhe, die auch vor Kälte schützen und Steighilfen. Ich nehme gerne eine Stehleiter. Beim Kauf ist unbedingt auf rutschsichere Sprossen und natürlich auf das TÜV-Prüfsiegel zu achten.

Doch dank der sogenannten Schneidgiraffe funktioniert es auch häufig ohne Leiter. Dieses Schneidwerkzeug ist ausziehbar. Stahlfeder und Zugband lassen Arbeiten ohne großen Kraftaufwand in großer Höhe zu. Dazu lässt sich die Schere auch noch bis zu einem Winkel von 230° verstellen.

Auf die Schnitttechnik kommt es an

Damit der Schnitt gelingt, sind vor allem scharfe Schneidewerkzeuge wichtig. Du solltest vermeiden sogenannte Kleiderhaken oder Zapfen am Stamm zu belassen. Der Astring muss jedoch unbedingt stehenbleiben und darf nicht verletzt werden. In ihm sitzen die teilungsfähigen Zellen des Gehölzes. Sie sorgen nach dem Schnitt für eine schnelle Heilung, indem sie über die Schnittwunde wachsen.

Kommt die Säge zum Einsatz, wird zuerst von unten eingesägt, um ein Einreißen der Rinde beim Ausbrechen zu verhindern. Erst danach wird von oben gesägt. Schwere Äste werden in Teilstücken entfernt. Es ist jedoch immer einfacher störende Zweige abzuschneiden, solange sie noch dünn sind.

Erhalten der natürlichen Wuchsform

Junge frei stehende Bäume benötigen in den ersten Jahren einen naturnahen Erziehungsschnitt. Zu dichte Kronen werden ausgelichtet, damit störende oder ungünstig platzierte Triebe nicht zu dicken Ästen heranwachsen und den natürlichen Habitus des Baums stören. Auch blühende Ziergehölze entwickeln sich optisch ansprechender, wenn sie regelmäßig richtig geschnitten werden. So bleibt die typische Wuchsform bzw. die arttypische naturnahe Krone erhalten.

Malerische Gehölze wie Magnolie, Felsenbirne, Zaubernuss, Goldregen oder Zierahorn werden nicht geschnitten, damit sie ihre arttypische Form nicht verlieren. Zu dieser Gruppe gehören auch Rhododendren, die meisten Nadelgehölze und andere Immergrüne mit Ausnahme der Formgehölze. Schnittverträglich sind Eiben, Wacholder und Scheinzypressen. Stark gewachsene Nadelbäume sollten niemals geköpft werden, das wäre eine Verstümmelung. Wenn Schnittmaßnahmen notwendig sind, wird bei ihnen besser der Stamm aufgeastet. Haben sich mehrere Gipfeltriebe gebildet, bleibt nur der kräftigste stehen.

Gehölze bilden Gerüste aus Ästen, die sich in Lang- und Kurztriebe verzweigen. Im Gegensatz zu Bäumen bilden Sträucher keine senkrechten Mittelleittriebe. Sie sollen vom Boden gleichmäßig verzweigt sein. Das Verzweigen kann beim Pflanzenschnitt durch Kürzen der Triebe gefördert werden. Großsträucher wie der Flieder bestehen aus einem Gerüst gut angeordneter Äste. Das Hauptastwerk muss erhalten bleiben und soll nur durch die Schnittmaßnahmen weiter ausgebaut werden. Steile und überkreuzende Triebe werden entfernt. Berberitzen, Liguster und Forsythien bilden ein schwaches Gerüst, dessen Äste sich im Lauf der Jahre im oberen Bereich immer mehr verzweigen. Deshalb müssen bei ihnen regelmäßig ältere Äste an der Basis entfernt werden.

Wer Ziersträucher anpflanzt, hofft, dass sie regelmäßig und üppig blühen. Haben sich die Jungpflanzen zu kräftigen Büschen entwickelt, benötigen sie in der Regel alle 4 Jahre noch einen Auslichtungsschnitt um die Form zu halten und die Blühfähigkeit zu fördern. Bei den Sträuchern gibt es Gehölze, die ihre Triebe aus der Basis bilden und ein dichtes Buschwerk besitzen, dazu gehören Kolkwitzie, Sommerjasmin und Deutzie.

Die andere Gruppe wie Hartriegel, Schneeball und Felsenbirne bilden ein lockeres Geäst. Sträucher wie Ranunkel und Hartriegel bilden außerdem Wurzelausläufer, die mit dem Spaten ausgegraben werden müssen, um ein zu starkes Ausbreiten zu verhindern.

Welche Schnittarten gibt es?

Der Erhaltungsschnitt

Der am häufigsten durchgeführte Schnitt ist der Erhaltungsschnitt. Wenn nach den ersten Jahren mit dem Erziehungsschnitt die Gestalt des Baums oder Strauchs geprägt ist, muss er in den folgenden Jahren nur noch erhalten und gepflegt werden. Baumschulen sorgen von Anfang an mit regelmäßigen Erziehungsschnitten dafür, dass die jungen Gehölze möglichst gleichmäßig und symmetrisch heranwachsen.

Beim Erhaltungsschnitt wird das Hauptastwerk nicht geschnitten, so dass sich der senkrechte Mittelleittrieb nach oben weiter entwickeln kann. Entfernt werden nach innen wachsende, überkreuzende oder andere störende Triebe, wie etwa bei großen Sträuchern störende Jungtriebe. Kranke Äste werden direkt an der Austriebsstelle entfernt, ebenso wie Wasserschosse. Kugelkronen werden ausgelichtet, damit sie jung und vital bleiben. Zu dichte Sträucher wie z.B. die der Weigelie, Forsythie oder Zierjohannisbeere bleiben nur vital und blühfähig, wenn sie gelegentlich ausgelichtet werden. Deshalb trennst Du bei ihnen etwa alle 4 Jahre einige alte Äste direkt am Boden ab, damit sich die junge Äste besser entwickeln können.

Bodendecker, wie Zwergberberitzen, immergrüne Heckenkirschen und Felsenmispeln benötigen keinen Erhaltungsschnitt. Sie dürfen ungehindert wachsen. Falls sie sich zu üppig ausgebreitet haben, verkraften sie jedoch im Spätwinter einen Rückschnitt. Bei Halbsträuchern wie Salbei und Lavendel ist beim Rückschnitt Vorsicht geboten. Diese Gehölze frieren im Winter mehr oder weniger stark zurück, insbesondere Lavendel, der danach auch aus dem alten Holz nicht mehr austreibt.

Der Verjüngungsschnitt

Sträucher, die nicht regelmäßig geschnitten werden, entwickeln sich im Laufe der Zeit zu dichten Büschen mit dürren Ästen. Häufig bilden sie einzelne lange Triebe, die überhängend wachsen. Die Büsche verkahlen und ihre Blühfähigkeit lässt nach. Um eine Verjüngung anzuregen müssen sie stark zurückgeschnitten werden. Ein optimaler Zeitpunkt ist im Winter, während der Saftruhe.

Der Verjüngungsschnitt bringt vernachlässigte Gehölze wieder in Form. Doch es ist zu überlegen, ob dieser eingreifende Schnitt nicht besser von einem Fachbetrieb ausgeführt werden sollte. Neben kranken und abgestorbenen Trieben müssen auch steile Konkurrenztriebe zum Mittelleittrieb entfernt werden. Auch alte, störende Äste und junge Äste, die für den Kronenaufbau nicht gebraucht werden, nach innen wachsende, sich überkreuzende oder zu eng stehende Äste werden entfernt. Übrig bleibt eine lichtdurchlässige Krone, die stark austreiben wird und deshalb in den folgenden Jahren nachbehandelt werden muss. Außerdem wird das erste Wachstum nach dem Schnitt auf Kosten der Blütenbildung gehen. Doch in den folgenden Jahren wird das Gehölz wieder üppiger blühen.

Wann ist der richtige Schnittzeitpunkt?

Im Gegensatz zu den meisten Bäumen werden Ahorn, Kirschen und Birken nur im Spätwinter geschnitten vor dem Saftfluss, da sie in dieser Zeit nicht so stark bluten.

Die Sträucher werden in Frühjahrsblüher, die im Frühjahr blühen und Sommerblüher, die im Sommer blühen, unterteilt. Die Frühjahrsblüher, wie die Forsythie legen ihre Blütenknospen schon im Vorjahr an. Diese Sträucher dürfen nicht im Herbst oder Frühjahr geschnitten werden, da Du ansonsten mit den Blütentrieben auch die Blüten entfernst. Bei den Frühblühern wie Zierjohannisbeere, Zierquitte, Forsythie, Deutzie, Ranunkel und Schneeball wird deshalb im April oder Mai geschnitten.

Sommerblüher bilden ihre Blütenknospen erst im Frühjahr. Bis dahin ist ein Rückschnitt möglich. Buddleja, Spiersträucher, Bartblume und Säckelblume können im Winter stark zurückgeschnitten werden. Sie überstehen das ohne Schaden und bilden im Sommer umso kräftigere Blütentriebe. Sollen Kornelkirschen, Liguster oder Wildrosen nach der Blüte noch Fruchtschmuck ansetzen, dürfen sie nach der Blüte nicht geschnitten werden.

zurück

Einen Kommentar schreiben