Heimische Orchidee im Garten – Die Breitblättrige Stendelwurz

von Beate (Kommentare: 0)

Die Pflanze mit den auffälligen Blättern in unserem Garten ist mir erstmals vor einigen Jahren aufgefallen. Dabei handelte es sich um ein Exemplar der Breitblättrigen Stendelwurz, eine heimische Orchidee. Inzwischen haben sich immer mehr Pflanzen in unserem Garten angesiedelt.

Die heimischen Orchideen sind zwar unauffälliger als ihre exotischen Artgenossen, doch lässt sich ihre Verwandtschaft nicht verleugnen. Bei näherer Betrachtung der Blüten fällt die Ähnlichkeit mit einer typischen Orchideenblüte sofort auf.

Von den 70 Erdorchideen-Arten in Mitteleuropa zählt der Frauenschuh (Cypripedium calceolus), der vor allem in kühlen Regionen verbreitet ist, mit zu den bekanntesten Arten. Ebenso wie das Knabenkraut (z.B. Dactylorhilorhiza oder Orchis), das vor allem auf Feuchtwiesen in halbschattigen Lagen vorkommt. Im Gegensatz zu diesen beiden Artgenossen ist die Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine), die noch am häufigsten anzutreffende heimische Orchidee in Deutschland. So hat sie inzwischen auch den Weg in unseren Garten gefunden.

Wo taucht die Breitblättrige Stendelwurz auf?

Die Vorkommen der Stendelwurz reichen von den Dünenregionen der Nord- und Ostsee bis hin zu den Alpen. Im Vergleich zu anderen Erdorchideen ist die Stendelwurz recht anspruchslos. Sie bevorzugt kalkhaltige Böden, kommt aber auch mit leicht sauren Böden zurecht. Sie wächst an sonnigen wie schattigen Plätzen und verträgt auch nährstoffreichere Böden als andere Orchideenarten. Ihre natürlichen Standorte sind vor allem Laub- und Mischwälder. Sie wächst jedoch auch an lichten Waldrändern und auf Trockenwiesen. Solch einen Standort hat sie auch bei uns im Garten gewählt.

Vereinzelte Exemplare habe ich bereits vor Jahren am Rand einer Kirschlorbeerhecke und zwischen Steinplatten an der Hauswand entdeckt. Doch inzwischen hat sich eine kleine Kolonie auf einer trockenen, teils moosigen Wiesenfläche nicht weit von hohen Nadelbäumen angesiedelt. Meist bilden die Pflanzen im Frühjahr nur einen Trieb. Doch auf dieser Fläche befinden sich viele Exemplare mit mehreren Trieben.

Die Bestände der Breitblättrigen Stendelwurz sind in Deutschland weitestgehend ungefährdet. Doch als eine Art aus der Familie der Orchideen ist auch sie gesetzlich geschützt. Die Breitblättrige Stendelwurz steht jedoch nicht auf der roten Liste der gefährdeten Pflanzen. Sie darf trotzdem nicht gepflückt oder ausgegraben werden. Ihr Schutz dient gleichzeitig dem Schutz von Arten, die ihr sehr ähnlich sehen.

Woher kommt ihr Name?

Die Breitblättrige Stendelwurz, die auch als Breitblättrige Sumpfwurz bekannt ist, verdankt ihren Namen ihren kräftigen, breiten Blättern. Ihr botanischer Name Epipactis helleborine stammt aus dem Griechischen. Epipactis steht für das griechische „epipactos“ geschlossen, damit werden die Blütenlippen beschrieben und mit helleborine ist der Germer gemeint, der bei den alten Griechen „Helleboros“ genannt wurde und dessen Blätter denen der Stendelwurz sehr ähnlich sehen.

Wie schaut die Breitblättrige Stendelwurz aus?

An einem kräftigen Stängel befinden sich im unteren Bereich 5 bis 10 cm breite Blätter, ansonsten ist ihr Stiel kahl. Die ovalen Blätter sind am Rand leicht gewellt. Wie ausgeprägt die Wellenbildung ist, hängt von der Feuchtigkeit des Standorts ab. Als Geophyt (Erdpflanze, die Trocken- und Kältezeiten mit unterirdischen Knospen überdauert) bildet sie Rhizome. Erst Ende Mai treibt die Pflanze aus und blüht dann zwischen Juli und August. Ihre kleinen Blüten sind rund um den Stängel verteilt und bilden eine Ähre. Die Blüten stehen dabei nicht so dicht wie beim Knabenkraut, so dass sie schmaler und graziler wirken. Zuerst hängen sie wie kleine Glocken zusammen, später öffnen sie sich weiter und stehen ab.

Die Blütenfarbe der Breitblättrigen Stendelwurz variiert. Bei uns im Garten habe ich sowohl hellgrüne als auch rotviolette Exemplare entdeckt. Die Farbe ist abhängig von den Licht- und Bodenverhältnissen. Um den typischen Aufbau einer Orchideenblüte zu erkennen, musst Du bei der Breitblättrigen Stendelwurz schon ganz genau hinschauen. Das Innere ihrer Blüten ist gelbbraun bis rotbraun. Der Lippenvorderlappen dagegen hellrosa. An den Ähren sitzen bis zu 80 Einzelblüten. Jede dieser kleinen Blüten hat die Form einer typischen Orchideenblüte mit drei äußeren und drei inneren Blütenblättern. Das innere zentrale Blütenblatt hat wiederum die Form einer Lippe, die wie eine kleine weiße Schüssel mit bräunlichem Inhalt aussieht.

Wie vermehrt sich die Stendelwurz?

Die bräunliche Füllung gibt einen leichten Verwesungsgeruch ab, der Wespen, Schwebfliegen und andere Insekten anlockt. Der Blütenstaub der Stendelwurz sammelt sich in Pollenpaketen, den sogenannten „Pollinien“. Die mit Klebescheiben versehenen Pollenpakete heften sich am Körper der Bestäuber, die auf der Suche nach Nektar in die Blüte gekrabbelt sind. Besuchen die Bestäuber die nächste Blüte, bleiben die Pakete auf der Narbe dieser Blüte kleben und die Befruchtung findet statt. Die Bestäubung erfolgt meist über Bienen, Faltenwespen und Fliegen. Der Nektar einiger Epipactis-Arten ist besonders reich an Zucker und besitzt zudem Inhaltsstoffe, die auf Insekten narkotisierend wirken sollen.

Nach der Bestäubung entwickelt die Stendelwurz Kapselfrüchte. Wenn sich im August und September die Kapseln öffnen, werden ihre feinen Samen (Körnchenflieger) vom Wind weit verbreitet. Die Samen der Stendelwurz besitzen keine Nährstoffvorräte. Um zu keimen, sind sie deshalb auf bestimmte Wurzelpilze angewiesen, mit denen sie eine Symbiose eingehen (Mykorrhiza, der Pilz ist mit dem Feinwurzelsystem der Pflanze in Kontakt). Die Pilze versorgen die Samen mit Nährsalzen und Wasser. Neben der Bestäubung hat die Stendelwurz noch weitere Möglichkeiten sich zu vermehren. Dazu gehören die Selbstbestäubung und die vegetative Vermehrung, über die Verzweigung des Rhizoms. Bis eine junge Orchidee dann erstmalig blüht, können mehrere Jahre vergehen.

Gibt es noch weitere Artgenossen?

Neben der breitblättrigen Stendelwurz, gibt es auch die Kurzblättrige Stendelwurz, die nur etwa 50 cm hoch wird. Ihre Laubblätter sind kürzer, löffelartig geformt und stehen aufrecht. Ihre Blütezeit startet etwa zwei Wochen vor der der Breitblättrigen Stendelwurz. Sie kommt bisher ausschließlich auf trockenem Böden in lichten Kiefernwäldern vor. Die Arten der Epipactis sind schwer zu unterscheiden. Lediglich die Braunrote Stendelwurz ist aufgrund ihrer Farbe leicht zu bestimmen. Müllers Stendelwurz und die Breitblättrige Stendelwurz können nur in voller Blüte auseinandergehalten werden.

Aus diesem Grund werden die meisten Epipactis helleborine-Typen als Breitblättrige Stendelwurz bezeichnet und erst dann differenziert, wenn alle Zweifel beseitigt sind. Zudem bildet die Breitblättrige Stendelwurz häufig Hybriden. So gibt es Kreuzungen mit der Braunroten Stendelwurz (Epipactis atrorubens), mit Müllers Stendelwurz (Epipactis muelleri), der Schmallippigen Stendelwurz (Epipactis leptochile) und der Violetten Stendelwurz (Epipactis purpurata).

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