Moose und Flechten – Wasserspeicher und Bioindikatoren (Teil I)

von Beate (Kommentare: 0)

Während der laubfreien Zeit im Winter fallen gelbe, grüne und rötliche Beläge auf Steinen, Bäumen und Sträuchern besonders ins Auge. Dabei handelt es sich meist um Moose und Flechten mit ihrer außergewöhnlich beeindruckenden Formenvielfalt.

Moose gehören zu den ältesten Landpflanzen. Sie sind sehr einfach aufgebaut und keine Gefäßpflanzen, die Wurzeln, Sprossachsen und Blätter besitzen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich die Moose vor etwa 450 Millionen Jahren aus den Grünalgen der Gezeitenzonen entwickelt haben. Weltweit gibt es etwa 16.000 verschiedene Moosarten, davon kommen in Mitteleuropa ca. 1.000 vor. Sie spielen eine wichtige Rolle für das Mikroklima und den Wasserhaushalt von Ökosystemen, wie Moor, Wald, Wiese und Heide. Mit ihren isolierenden Schichten und wasserspeichernden Fähigkeiten schützen sie den Untergrund vor Austrocknung.

Feucht muss es sein

Moose decken wie die Flechten ihre Nährstoffbedürfnisse, indem sie Photosynthese betreiben. Dabei produzieren sie aus Wasser, Kohlendioxid und Lichtenergie Zucker und Sauerstoff. Mit ihren Rhizoiden (wurzelähnliche Haftorgane) können sie sich zwar am Boden halten, die Pflanze jedoch nicht über ein Leitsystem mit Wasser und Nährstoffen, wie echte Wurzeln, versorgen. Über ihre Blättchen beziehen Moose Wasser aus der Luft oder vom Boden. Deshalb wachsen sie hauptsächlich an feuchten Plätzen oder Standorten mit hoher Luftfeuchtigkeit. Ihr Höhenwachstum ist auf nur wenige Zentimeter beschränkt, da die Pflanzen kein Stützgewebe besitzen.

Moose breiten sich über winzige Sporen aus, die sich in kleinen, gestielten Kapseln entwickeln. Sobald die Kapseln reif sind, platzen sie auf und verstreuen die Sporen. Wind und Wasser helfen dabei sie zu verbreiten.

Ohne Moos nichts los – das Ökosystem und die Moose

Moose besiedeln neben Erde und Holz auch extreme Standorte wie nackte Felsen, Mauern, Dächer oder Baumrinden. Dabei kommen sie mit äußerst geringen Mengen an Nährstoffen und Licht zurecht. Vor allem in Tundra und Moor sind Moose weit verbreitet. Als Pionierpflanzen tragen sie zur Bodenbildung bei. Später werden sie dann durch anspruchsvollere Pflanzen verdrängt, deren Existenz jedoch erst durch sie ermöglicht wurde.

Im Moor bauen sich die Moose ihren Standort selbst auf. Während sie dort an der Spitze immer weiterwachsen, verdichten sich ihre tieferliegenden abgestorbenen Teile und bilden unter Luftabschluss Torf. Der Torf besteht also hauptsächlich aus abgestorbenen Moospflanzen. Die großen Vorkommen der Torfmoose (Sphagnum) wurden fast vollständig bei der Besiedlung Mitteleuropas für Heizzwecke abgebaut. Heute wissen wir, dass Moore große Kohlendioxid-Speicher sind. Denn Torf bindet gewaltige Mengen an Kohlenstoff, der ansonsten als Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen würde. Deshalb ist es so wichtig, dass der Abbau von Torfmoos verhindert wird.

Moose sind wie Flechten in Bezug auf ihre Umgebung und den Umweltbedingungen sehr anpassungsfähig. Auch wenn sie lange Zeit völlig ausgetrocknet waren, können sie bei Wiederbefeuchtung ihren Stoffwechsel reaktivieren und ihr Wachstum fortsetzen. Ein Beispiel dafür ist das Brunnenlebermoos. Daneben besitzen Moose Stoffe, die sie vor Pilzbefall, Bakterien und Fressfeinden, wie Schnecken schützen. Ein Grund sich einen Schneckenschutz aus Moos anzulegen.

Welche Moostypen gibt es?

Die Moose sind in drei Gruppen aufgeteilt: Leber-, Laub- und Hornmoose. Lebermoose breiten sich als geschlossene Flächen oder als verzweigte Bänder aus. Diese Moose besitzen nur wenige unterschiedliche Zelltypen und schlichte Blätter. Die Laubmoose bilden dagegen einfache oder verzweigte Stängel, die beblättert sind. Die Hornmoose, die kleinste der drei Gruppen, erinnern an Grünalgen. Sie sind flach, rosettenförmig aufgebaut und am Rand gelappt.

Zu den Moosen, die in meiner Umgebung immer wieder auftauchen gehören: Das Brunnenlebermoos (Marchantia polymorpha), das sich gerne an feuchten Standorten ausbreitet. Bei mir taucht es meist als ungewollter Bewohner im Gewächshaus auf. Besonders hübsch sind seine Fruchtstände, die wie kleine Schirmchen aussehen.

Das Gewöhnliche Widertonmoos (Polytrichum commune), das zu den Laubmoosen zählt, kommt vor allem in Wäldern vor. Früher wurde das Moos gerne für Matratzenfüllungen genutzt oder zum Abdichten von Holzhäusern und Booten. Seine nassen Blätter dehnen sich erst aus, um anschließend die Fugen wasserdicht abzuschließen.

Beim Sparrigen Kranzmoos (Rhytidiadelphus squarrosus) handelt es sich ebenfalls um ein Laubmoos. Es ist leicht an seinen sparrig von den Stängeln abstehenden Blättchen zu erkennen. Die aufrecht wachsenden Stängel können bis 10 cm lang werden und bilden lockere gelbgrüne Rasenflächen. Bei uns hat es sich im Umfeld der Tannen so stark ausgebreitet, dass es von einer geschlossenen Grasfläche kaum noch zu unterscheiden ist.

Baumbewohnende Moosarten wie das Zypressen-Schlafmoos (Hypnum cupressiforme) fühlen sich sowohl an sonnig trockenen als auch an schattig feuchten Plätzen wohl. Du findest das Moos im Garten, wo es gerne die Stämme alter Obstbäume überzieht oder es bedeckt große Flächen alter Alleenbäume. Das Moos bildet hängende Ästchen. Dabei zweigen von einem Hauptast kleine Nebenäste ab.

Wo kommt Moos zum Einsatz?

Moose reagieren wie Flechten empfindlich auf Umweltveränderungen, ob auf Schadstoffe in der Luft oder der Eutrophierung (Überdüngung). Deshalb dienen sie auch als Bioindikatoren (Zeigerorganismen). Triffst Du an einem Ort auf ein Moos, erfährst Du gleichzeitig auch etwas über die Umweltbedingungen an diesem Ort. Fehlt Moos an diesem Standort, kann das mit fehlenden Nährstoffen zusammenhängen. So nutzen einige Moose Ammoniak der Autoabgase als Nährstoff, andere binden Feinstaub oder Schwermetalle. Inzwischen versuchen Wissenschaftler verstärkt diese Eigenschaften der Moose gezielt einzusetzen.

Um Moose zu schützen und zu erhalten, ist die Wiederherstellung ihrer natürlichen Standorte so wichtig. Neben der Moorrenaturierung gehören auch die Reduzierung von Schadstoffen in der Landschaft und eine naturverträgliche Landnutzung dazu. Außerdem bietet Moos vielen Tieren Nahrung und Nistmaterial.

Im Garten sehe ich inzwischen Moos nicht mehr als Unkraut, sondern als Bodendecker mit dem sich schattige Plätze gleichmäßig begrünen lassen. Ein gutes Vorbild sind Japanische Gärten, in denen Moose als Pflanzenelement sehr beliebt sind. Moosflächen sind sehr pflegeleicht, nur Vögel und Laub bereiten manchmal Probleme.

Auch als Bodenabdeckung in Pflanzschalen oder Blumengestecken eignen sich Moospolster gut. Zusammen mit Aststücken, auf denen noch Flechten sitzen, wirken sie optisch sehr ansprechend. Zur Dekoration von Weihnachtskrippen werden Moose ebenfalls gerne eingesetzt.

In der Medizin finden Moose ebenfalls Verwendung. So besitzen z.B. Lebermoose eine fungizide Wirkung, die bei der Behandlung von Pilzerkrankungen genutzt wird. Obwohl die Verwendung von Torfmoos heute umstritten ist, werden sie nach wie vor als Pflanzsubstrat, zum Auflockern des Bodens angeboten oder beim Transport von Pflanzen, aufgrund ihres hohen Wasserspeichervermögens, eingesetzt.  Weiter mit Teil II ...

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